Die Geschichte

Als ehemalige Journalistin und Kommunikationsfachfrau weiss ich, dass Menschen Geschichten lieben. Hier erzähle ich euch gerne die Geschichte von vive la v.

Weshalb braucht es eine Boutique, einen Raum für Weiblichkeit?

Jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, trägt weibliche und männliche Anteile in sich. Und das ist gut so. Wir brauchen verschiedene Eigenschaften, um unser Leben zu meistern. Ideal ist es, wenn unsere Anteile in Balance sind. Bedeutet für mich: Ich bin in manchen Momenten weich, fliessend, empathisch, mit meinen Emotionen und meiner Intuition verbunden, wild, kreativ, unstrukturiert, ich muss nichts und ich kann mich jeden Moment wieder umentscheiden. In anderen Momenten und wenn es die Situation erfordert, bin ich absolut klar, strukturiert, fokussiert und setze deutliche Grenzen. 

Die heutige Welt ist aber leider nicht in Balance. Sie ist stark männlich geprägt. Auch viele Frauen* sind männlich geprägt. Wir Frauen* eifern den Männern* nach, kämpfen für gleiche Rechte und eignen uns männliche Muster an, um in der heutigen Arbeitswelt bestehen zu können. 

Dabei werden wir Frauen* zu schlechten Kopien der Männer*.


Emotionen zu zeigen, was weiblich ist und zum Leben gehört, ist beispielsweise oftmals tabu. Für Männer* noch viel mehr als für Frauen*. Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass die Welt weiblicher wird. Wir zelebrieren und befreien die Weiblichkeit. Wir erforschen, was "weiblich" ist, leben es und lassen auch der wilden weiblichen Schöpferkraft freien Lauf. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies dringend, dringend notwendig ist.

Glaubt mir, ich weiss definitiv, von was ich spreche. Meine männlichen Anteile waren viele Jahre dominierend. Mein Wesen wurde immer härter und ich wurde immer verschlossener. Erst seit zirka drei Jahren entdecke ich neu und immer mehr, wie wunderbar es ist, meine weiblichen Anteile auszuleben. Je mehr ich auf diesem Weg vorwärts ging, desto lauter wurde meine Seele, dass mir das aktuell männlich geprägte Politsystem nicht gut tut. Ich entschied mich für mich und meine Weiblichkeit und trat aus dem politischen Gremium aus. Vor allem ältere Männer* übten öffentlich harsche Kritik und betonten, wie schwach ich und damit wir Frauen* doch seien. Für mich jedoch und für viele anderen Frauen* und auch Männer* ist mein Austritt aus dem System ein Zeichen der Stärke.

Ich geniesse es, "jumpy" zu sein, ganz dem weiblichen Prinzip entsprechend. Also nicht immer geradlinig (männlich) durchs Leben zu gehen, sondern Seitenschlaufen zu machen. Ich liebe es, tief in mich reinzufühlen und über meine Gefühle zu sprechen. Ich liebe es, Bäume zu umarmen, mich im Wald auf den Boden zu legen und zu lauschen. Ich liebe es, wenn mein wundervoller Mann Andreas mir die Türe aufhält, mir in den Mantel hilft oder sagt, dass er meinen Koffer trägt. Ich bin emanzipiert und weiss, dass ich meinen Koffer selber tragen kann. Umso mehr geniesse ich es, wenn mein Partner dies für mich tut, weil er es schön findet, meinen Koffer für mich zu tragen.

Und dann zu den Themen weibliche Körperin und Sexualität. Jaaa ... auch das sind sehr, sehr wichtige Themen für uns Frauen*. Wie viele Frauen* das tun, betrachtete auch ich meinen Körper äusserst kritisch. Viele Stellen mochte ich überhaupt nicht und nackt fühlte ich mich sehr verletzlich. Bei der Sexualität kannte ich nur die "männliche Sexualität". Damit meine ich Performance und den Fokus vor allem auf den männlichen Orgasmus. Tja, und dann hörte ich vor einigen Jahren das erste Mal von der "weiblichen Sexualität". Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich an diesem Seminar war, gemeinsam mit meinem Partner. Seit damals sind wir auf dem "Slow Sex Weg" und ich empfehle euch, liebe Frauen* UND Männer*, bitte lasst euch auf diese Welt ein. Ich habe in einem Seminar erlebt, wie gross der Leistungsdruck auf den Männern* lastet und wie ungesund das ist.

Nun noch mal an den Anfang. Wie gesagt, tragen wir alle männliche und weibliche Anteile in uns. Ich hätte also auch eine Boutique, einen Raum eröffnen können, der sich den weiblichen Anteilen in Männern* sowie in Frauen* widmet. Nun bin ich selbst eine Frau und liebe es, eine Frau zu sein. Deshalb fokussiere ich aktuell auf die Frauen*. Da das Leben ein stetiger Wandel ist, werden sich auch ich und meine Boutique entwickeln. Was also noch nicht ist, kann gut noch werden. :-)

Update April/Mai 2021: Tadaaa und schon hat sich vive la v entwickelt. Die Boutique findest du aktuell online und bei Niyana findest du auch eine kleine, feine Auswahl. Für die Frauen*kreise sind wir aktuell zu Gast bei Niyana an der Zürcherstrasse in Baden und in der Glückszentrale im Oederlin

Weshalb eröffne gerade ich eine Boutique, einen Raum für Weiblichkeit?

Oben habe ich es bereits etwas angetönt. Die Boutique, der Raum hat ganz viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Der Wunsch, etwas Sinnstiftendes zu tun, einen Beitrag zum Wohlergehen aller zu leisten und dabei auch meine persönliche Entwicklung voranzutreiben, waren weitere Gründe. 

Ja, ich könnte auch in einem Flüchtlingslager arbeiten, mit einer NGO Plastik an Stränden einsammeln, als Umweltschützerin für Greenpeace arbeiten oder mich mit Rob zusammen in der Transition-Town-Bewegung engagieren. Alles käme für mich infrage. Mein Herz hat entschieden. Nun bin ich auf diesem Weg und ich freue mich sehr darüber.

Was versteckt sich hinter dem Namen?

vive la v steht für Lebensfreude, Liebe zur Weiblichkeit, Liebe zum Leben/la vie, zur Venus, Vagina, Vulva und zu vegan. Und weil ich mich nicht entscheiden konnte (ah, herrlich weiblich), wird der Name französisch und englisch ausgesprochen. Französisch: vive la UND englisch: v ("vi").

Herzlich, eure Sandra Kohler